Aus Wasser und Seele

Gestern freute sich die Oma noch über ihre neue, schicke Brille – fast wie bei einem kleinen Fest. Der Optiker nahm sich viel Zeit für sie, ließ sie in Ruhe alles ausprobieren, bis sie genau das Modell fand, das ihr am besten stand. Danach ging sie noch zum Friseur. Mit frischem Haarschnitt, guter Laune und einem kräftigen Schub Selbstbewusstsein kam sie nach Hause. Heute jedoch wirkt alles anders: Ihre Worte kommen langsamer, ihr Blick ist unsicher, sie scheint müde, getrübt – als würde sie jeden Moment einschlafen. Solche Veränderungen können beunruhigen, sowohl die Betroffenen selbst als auch für ihre Angehörigen. 

19.01.2026

Was kann dahinterstecken?

Oft verbirgt sich hinter diesen Symptomen eine Ursache, die so alltäglich ist, dass man sie leicht übersehen wird: eine Exsikkose – also eine deutliche Austrocknung des Körpers.

Gerade ältere Menschen sind gefährdet. Sie trinken weniger, weil das Durstgefühl nachlässt. Manche reduzieren ihre Flüssigkeitsaufnahme bewusst, um häufige Toilettengänge oder mögliche Unfälle zu vermeiden. Auch andere Faktoren können reine Rolle spielen: Entwässerungsmedikamente, Infekte mit Fieber oder eine Magen-Darm-Erkrankung.

Was passiert bei einer Exsikkose?

Eine Exsikkose entsteht, wenn der Körper weniger Flüssigkeit erhält, als er verliert.  Schon wenige Stunden ohne ausreichende Wasserzufuhr können bei älteren oder geschwächten Menschen das Denken verlangsamen, die Aufmerksamkeit trüben und den Kreislauf belasten. Typische Ueochen sind trockene Schleimhäute, fehlender Speichelfilm unter der Zunge, konzentrierter und verminderter Urin sowie allgemeine Schwäche oder Verwirrtheut. Ohne genügend Wasser kann der Körper die Konzentration wichtiger Mineralien nicht mehr im Gleichgewicht halten – ein Problem, das besonders bei älteren Menschen rasch bedrohlich werden kann.

Was kann man tun?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Austrocknung. Leichte Formen lassen sich oft durch regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ausgleichen: kleine Mengen Wasser über den Tag verteilt, Tee oder spezielle Elektrolytlösungen. Bei stärkerer Austrocknung müssen verlorene Flüssigkeit und Mineralien kontrolliert durch Infusionen ersetzt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, die Auslöser zu behandeln: Medikamente anpassen, Infekte therapieren, Fieber senken, Durchfälle stoppen oder bei Herzschwäche die Einstellung optimieren. Erst wenn sowohl Ursache als auch Flüssigkeitsmangel adressiert werden, kann sich der Körper wirklich erholen.

Ein wichtiger Hinweis:

Im Trubel des Alltags, nicht nur in der Vorweihnachtszeit, gerät ausreichendes Trinken schnell in die Vergessenheit. Achten Sie gut auf sich selbst und aufeinander.  

Wir bestehen aus Wasser und Seele – beides braucht Pflege.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Dr. Manuela Laura Buchmann
Chefärztin der Klinik für Akutgeriatrie / Innere Medizin und Internistische Altersmedizin am St. Rochus Krankenhaus in Steinheim

 

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